Barbara Kahlen

Nimm eine Teeschale in beide Hände – so wie ein kostbares Buch – und trinke aus beiden. (Barbara Kahlen)

Für Freunde und Sammler ist in der Edition Ruine der Künste der Band Barbara Kahlen 108 Teeschalen in einer nummerierten und signierten Auflage von 200 Exemplaren erschienen, herausgegeben von Wolf Kahlen. Es stellt erstmals eine Auswahl von Teeschalen der 80-Jährigen, bisher nur Insidern bekannten Künstlerin vor und geht einer erweiterten Ausgabe zu den Retrospektiven im Kunstgewerbemuseum im Wasser- und Bergpalais von Schloss Pillnitz, Staatliche Kunstsammlungen Dresden (2024), im Bauhaus-Werkstatt-Museum und Schloss Dornburg und im Wasserschloss Klaffenbach bei Chemnitz voraus (beide 2025).

Barbara Kahlen hat sich der Öffentlichkeit entzogen und in guter japanischer Tradition des shibui 渋い die Einfachheit, Demut und Bescheidenheit, das Werden und Zulassen von Form und vulkanischen und Ascheglasuren in ihrer Arbeit verwirklicht. Kenner und andere Künstler schätzen ihr Werk seit 1980. Sie ist im Prinzip aber unentdeckt.

Das Buch zeigt Teeschalen von 1980 bis 2011, vom Anbeginn ihrer Lernzeit bei der Bauhaus-Keramikerin Rose Krebs am CW Post Center der Long Island University bis zu ihrer schweren Erkrankung. Seitdem ruht ihre Arbeit. Seit eineinhalb Jahren ist sie bettlägerig aufgrund einer unheilbaren Krankheit, eine Spätfolge eines 1985 in Bhutan erlittenen Typhus, wo sie zusammen mit ihrem Mann Wolf Kahlen als Consultant in Art and Architecture gearbeitet hat. Die Auswahl der besonderen, musealen Stücke aus ihrem vieltausendzähligen Œuvre hat sie erleichtert, weil sie in zahlreichen Notizbüchern präzise Berichte aller 210 Brände festgehalten hat, dazu Skizzen und Analysen.

Unter der Überschrift ›Das Universum im Trinkgefäß‹ schrieb der Tagesspiegel am 22. September 2001 zu den Teeschalen von Barbara Kahlen: »Ihre Haltung zur Kunst entspricht nicht der im heutigen Europa üblichen. Seit Jahren vertieft sich Barbara Kahlen in die Fertigung von Teeschalen – auf den ersten Blick unspektakuläre Objekte, denen doch die gleiche Intensität und weltveranschaulichende Kraft innewohnt wie jeder anderen Kunst. Im asiatischen Sinne, aber auch eingedenk unseres Mittelalters, erinnern die zeitlos-archaischen Unikate daran, dass handwerkliche Produkte Staatsschätze sein können. «

Steifbroschur, 25 x 25 cm, Vorwort von Claas Ruitenbeek, em. Direktor des Museums für Asiatische Kunst Berlin