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Plakate aus Irland

Gerd Fleischmann

Jackie Dann (†2007), Longford, Co. Longford, 1976 aus der Ausstellung Irish Country Posters, Dublin, Douglas Hyde Gallery 1981

Jackie Dann (†2007), Longford, Co. Longford, 1976 aus der Ausstellung Irish Country Posters, Dublin, Douglas Hyde Gallery 1981

Plakate für Vergnügungen und Geschäfte am Ort, gesetzt mit Holzlettern, gedruckt auf alten Maschinen in Auflagen von ein paar Dutzend, wild geklebt und angeschlagen. Das gab es überall, wo es Drucker gab. In Irland bis Ende der 1970er Jahre. Danach haben Kopierer und Filzstift ersetzt, was vorher Handwerk war. Aber auch die neue Ökonomie nach dem Beitritt zur EU, die Kampagne Keep Irleand Tidy und die zunehmende Fernsehunterhaltung haben erst den Carnivals und Dancings und dann den Plakaten dafür den Boden unter den Füßen weggezogen.

Die Plakate der kleinen Drucker in der irischen Provinz sind Zeugnisse des Alltagslebens wie Töpfe, Körbe und Karren. So wie diese sind sie ohne ›Kunst‹, ohne ästhetische Absicht gemacht. Die Regeln, nach denen sie gesetzt und gedruckt wurden, sind einfach und Tradition: »Das Wort muss in die Zeile passen« oder »Die Zeile muss voll werden« – oder: »Der Name muss stark kommen«. Die Farben sind oft Zufall und »was gerade in der Maschine ist«, um das Walzenwaschen zwischendurch zu sparen. Abends jedoch musste dies dann schon sein.

Das ›Irische Projekt‹ mit Studierenden des Fachbereich Gestaltung der Fachhochschule Bielefeld ist längst Geschichte. Die Sammlung Plakatschriften aus dem Projekt und einige alte Maschinen hat das Museum für Druckkunst in Leizig übernommen. Die Kempe-Werk Andruckpresse, die mit der Ausstellung herumgezgen ist, steht jetzt im Historischen Museum Bielefeld. Eine Reihe von Ausstellungstafeln und Großfotos sind inzwischen verbaut, aber der bei Weitem größte Teil der Sammlung steht herum oder lagert in Schubladen, Plakate von Jackie Dann, Longford, Co. Longford, Thomas Morahan, Strokestown, Co. Roscommon, The County Donegal Printing Works Ltd., Letterkenny, Co. Donegal, und anderen.

Die Hoffnung, dass das Bunratty Folk Park Museum hinter Bunratty Castle, Co. Clare, daran Interesse haben könnte, hat sich 2011 zerschlagen. Die 1984 mit Unterstützung der Context Gruppe unter dem Namen John Fosters in Betrieb genommene Werkstatt des Strokestown Democrat mit einer handbetriebenen Wharfedale, einer Albion von 1830 und einer hölzernen Wanderpresse ist verschwunden, ohne dass jemand sagen kann, wo alles ist.

Neben den Plakaten gibt es unzählige Fotos, die zeigen, wie die Plakate hergestellt wurden und wie sie ,arbeiteten‘. Das Medium und das ganze Projekt sind dargestellt in dem kleinen Buch Irish Country Posters. Plakate in der irischen Provinz, Bielefeld und Essen 1982, mit einem Vorwort von Hildegard Hamm-Brücher.

Die Frage ist nun: Wo sollen die Plakate und Bilder bleiben „für wenn ich tot bin“ (Uwe Johnson)? Das Deutsche Plakat Museum im Museum Folkwang in Essen sammelt etwas Anderes. Für das Museum für Druckkunst ist die Sache zu speziell und zu wenig technisch – die Schriften und Maschinen sind da gut aufgehoben. Eigentlich gehört alles nach Irland, dahin, wo die Spuren des Alltagslebens gesammelt und dargestellt werden, in die Sektion Country Life des National Museum of Ireland in Turlough Park, Castlebar, Co. Mayo. Piotr Rypson hat Interesse an dem Material für das Pakatmuseum Wilanów in Warschau – aber auch da geht es um Kunst und nicht um das tägliche Leben.

Die Ausstellung Na obrzezu mit Plakaten des studentischen Protestes in Polen ist eine andere Geschichte …

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