Brauchen wir Helden?

Gerd Fleischmann

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Guten Appetit! Flughafen Tegel, Berlin, 100 Jahre danach.

Rot ist in China die Farbe des Glücks, der Titel ›Baron‹ zieht in Deutschland immer noch. Red Baron als Namen für ein Restaurant klingt gut, auch wenn die Privilegien des Adels nach dem Ersten Weltkrieg abgeschafft wurden. 1919 wurde in der Weimarer Verfassung festgeschrieben: »Alle Deutschen sind vor dem Gesetz gleich.« Die Länder hatten zu entscheiden, zu welchem Zeitpunkt die letzten Privilegien aufgehoben werden. In Preußen geschah das am 23. Juni 1920. Adelstitel sind damit nur noch Namensbestandteile.

Zu der Restaurant-Werbung in englischen Black Letters und Futura Book im Flughafen Tegel gehört auch ein verkleinerter Nachbau des roten Focker-Dr. I-Dreideckers von Rittmeister Manfred Albrecht Freiherr von Richthofen, des erfolgreichsten Jagdfliegers aller Zeiten. Die 80 bestätigten Abschüsse werden als Luftsiege bezeichnet. Über die Piloten der abgeschossenen Maschinen wird nicht gesprochen. Krieg heißt Töten. Abschuss ist Mord.

Im August 1915, also vor bald 100 Jahren, wurde Richthofen von der Ost- an die Westfront zur Brieftauben-Abteilung Ostende kommandiert. Der Name der Einheit war eine Tarnbezeichnung. Sie war in Wirklichkeit das erste Kampfgeschwader der Obersten Heeres-Leitung und sollte Bombenangriffe gegen England fliegen. Daran und an die getöteten ›Gegner‹ erinnert unter dem Dreidecker nichts. Auch nicht daran, dass nach dem Tod von Richthofen und dem seines Nachfolgers Wilhelm Reinhard der spätere Chef der Luftwaffe der nationalsozialistischen Wehrmacht und Reichsmarschall (Juli 1940) Hermann Göring das Jagdgeschwader 1 führte.