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Gerd Fleischmann

Klickt man auf der amazon.de-Seite mit dem Taschenbuch BWL Basiswissen: Ein Schnellkurs für Nicht-Betriebswirte von Volker Schultz die Funktion »Blick ins Buch« an, blendet der Versender ein: »Sie sehen die Vorschau der Kindle Edition. Eine Vorschau der Druckausgabe (Taschenbuch Ausgabe) ist aktuell nicht verfügbar.« – und wird es wohl nie geben. Die elektronische Version passt auch besser in den Plan, Inhalte papierlos in der Cloud verfügbar zu haben – jederzeit und (fast) an jedem Ort.

Auf dem Kindle können ausschließlich eBooks von Amazon im Format mobi gelesen werden. Downloads von buecher.de (eBook, ePUB) sind damit ausgeschlossen – wie umgekehrt auch. Aber das ist nicht anders bei Schneidmessern von Rasenmähern. Da hat auch jeder Hersteller zu (fast) jedem Modell seine eigenen Formate. Nebenbei: Das Logo der buecher.de GmbH & Co KG mit Sitz in Augsburg verspricht eine URL mit Umlaut, tatsächlich aber funktioniert nur »buecher.de«. Schlecht beraten.

Als Typograf ärgert mich der Blick ins Buch auf der Website. Blauviolette Zeilen in Georgia fett, fett kursiv, kursiv und Standard, verschiedene Größen in einer merkwürdigen Anordnung. Die Unterstreichungen suggerieren Links. Tatsächlich erhält man bei allen Zeilen aber die gleichen Seiten zur Ansicht und am Ende die Aufforderung »Jetzt das eBook kaufen oder Details dieses eBooks im Kindle-Shop anzeigen«. Da allerdings ist Ende: »Sie suchen nach etwas Bestimmtem?  / Tut uns Leid: Die Web-Adresse, die Sie eingegeben haben, gibt es auf unserer Website nicht. / Zur Amazon.de Homepage«.

Blick ins Buch – die gedruckte Version ist nicht verfügbar, nur, was vom eBook übrigbleibt.

Blick ins Buch – die gedruckte Version ist nicht verfügbar, nur, was vom eBook übrigbleibt.

Die Diskussion um das gedruckte und gebundene Buch aus der Buchhandlung um die Ecke gegenüber dem Download des elektronischen Dokuments mit dem gleichen Inhalt aus dem Internet erinnert mich an die Bauern, die vor bald 180 Jahren mit Mistgabeln gegen die erste Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth vorgehen wollten. In der fauchenden, zischenden und ratternden Maschine sahen sie auch den Leibhaftigen. Jede Innovation wird erst einmal abgelehnt … auch das Telefon, das Fax, Computer oder heute (noch) die Cloud. Wer will, kann auch heute noch mit der Hand schreiben, zu Fuß gehen oder mit der Kutsche fahren.

Klaus Steack sagt auf einem der Plakate der Ausstellung Die Kunst findet nicht im Saale statt »nie mehr amazon« und vermittelt mit der aufgerissenen Wellpappe einen völlig falschen Eindruck. Die Verpackungen von Amazon sind perfekt und nicht immer aus Wellpappe.

Warum zeigt er nicht das, was wirklich dahinter steckt und was er vermutlich kritisieren will, ein Lager, eine Verpackungstraße, eine Lohnabrechnung, eine Gegenüberstellung der Steuertarife in der Bundesrepublik Deutschland und der parlamentarischen Monarchie Großherzogtum Luxemburg / Groussherzogtum Lëtzebuerg / Grand-Duché de Luxembourg, wo Amazon EU S.A.R.L. mit einem Stammkapital von € 37.500 registriert ist?

Der Skandal ist nicht Amazon, sondern die Schlafmützigkeit oder die Lobby-Hörigkeit der Politik. Denn nur so ist es möglich, dass Amazon für seine Geschäfte in Deutschland hier nicht steuerpflichtig ist. Und so ist es auch möglich, dass Amazon weiter Kosten spart, wenn die Logistik dahin verlegt wird, wo die Lohnkosten ohnehin niedriger sind als in Deutschland und kein Mindestlohn gilt, abgesehen von anderen Vorteilen, Grundstückspreisen, Infrastruktur, Subventionen …

Die Ökobilanz der Logistik ist das eine, das Argument mit dem ›Buchhändler um die Ecke‹ das andere. Wollte ich wegen eines Buches für € 6,90 zum Buchhändler, würde ich auch mit einem politisch korrekten Auto mit 100 g CO2/100 km 44 g CO2 abgeben, nicht gerechnet die Lärmbelastung, meine Zeit und die Kosten für die Fahrt. Also doch Amazon oder bücher.de und Post, die ohnehin kommt.

Aktueller Nachtrag: Wir alle sind Händler. Und es geht immer um Prozente und Geld. Auch dem Verlag C. H. Beck, der das Buch sicher nicht nur wegen der Qualität in Rumänien setzen ließ. Die Referenzen lesen sich wie das Who’s Who der deutschen Verlagslandschaft.

 

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