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Tschichold – na und?

Gerd Fleischmann
24 Miniaturen
Göttingen : Wallstein, 2013

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Zwei Miniaturen, die dem Herausgeber der neuen Reihe zur Ästhetik des Buches nicht gefielen und nolens volens gestrichen wurden, sollen hier für das kleine Buch werben, das zusammen mit einem Buch von Hans Andree und einem von Günter Karl Bose als Band 3 im Herbst erscheinen wird. Mehr darf erst ein Jahr danach ins Netz: »Wäre es […] denkbar, dass man frühzeitig zwei Doppelseitenaufschläge und den Umschlag zeigt und das Ganze vielleicht nach einem Jahr?« – Klar, auf Papier ist es ja da, in die Zukunft gesprochen …

01
Das elegante kleine Buch Ausgewählte Aufsätze über Fragen der Gestalt des Buches und der Typographie von Jan Tschichold (1902–1974) ist für viele Gestalter und Gestalterinnen so etwas wie der ›Katechismus‹ für gute Buchgestaltung. Um keine Frage nach den Verfallsdaten der Be- und Erkenntnisse aufkommen zu lassen, gibt der Autor nur bei zwei Beiträgen an, wann und wo die einzelnen Aufsätze zuerst erschienen sind – da, wo es um zusätzliche Ehre geht. Seit dem Erscheinen der Aufsätze aber hat sich die Welt verändert. Schriftliche Kommunikation hat das Papier verlassen. Texte können mit Film und Ton verbunden werden. Links führen in die Tiefe. Auf der Ebene »tal:-)* – !ptmm!« (Thanks a lot, verbunden mit einem Emoticon, einem Zwinkern – Please tell me more) bestimmen im Wesentlichen die Default-Einstellungen der Geräte und technische Parameter, wie Texte aussehen. Das Layout ist eingebaut.

Fragen zur Typografie werden ohnehin selten gestellt. Jeder kann heute über eine Tastatur digitale Texte schreiben und publizieren. Das ist auch gut so, wenn man etwa das Programm der U-Reporter der Unicef anschaut.

MS Word® und andere Textprogramme erledigen den Rest, ohne dass der Anwender das Wort ›Typografie‹ kennen muss.

Das scheint das größte Problem zu sein, auch im professionellen Feld. Alle sind sich sicher und fragen nicht. Oder ist es zuviel verlangt, dass ein Modernes Antiquariat, das auch Bücher von Jan Tschichold im Angebot hat, dem praeceptor typographiae, wie er sich selbst in seinem letzten, postum erschienenen Buch in der dritten Person stilisiert hat, den Unterschied zwischen Divis (Trenn- bzw. Bindestrich), Halbgeviertstrich (Gedankenstrich, aber auch von … bis-Strich) und Geviertstrich (Streckenstrich) kennt und in seiner Werbung richtig benutzt?

Zum Suchbegriff »Jan Tschichold« findet alleine Google gegenwärtig (04/2013) 186.000 Resultate, etwa Jan Tschichold – Typographic Genius. Den umfangreichsten Beitrag mit vielen Quellen findet man auf typolexikon.de.

02
Was Reinhard Matz für die Fotografie festgestellt hat, gilt seit der Einführung des PC in gleicher Weise für die Typografie: »… wir müssen uns aus der fotografischen Hochkultur in die Niederungen des alltäglichen Mediengebrauchs begeben, denn hier, davon bin ich überzeugt, spielt die Musik, zumindest die neue. Die klassische und die E-Fotografie werden weiterleben, großartig, erhaben, zuweilen intelligent und meistens teuer, doch überwuchert werden sie von den vielfältigen Formen der neuen oder U-Fotografie (wobei Sie sich aussuchen können, ob das ›U‹ für Unterhaltung, Untergrund, Unterleib, urig, unkompliziert, unbequem oder unernst stehen soll).«

03
Ich hatte eine Sendung Aluminium-Rundrohre und -stäbe erhalten, die bereits bezahlt waren. In dem Paket aber lag eine Rechnung mit der Aufforderung »Zahlbar innerhab 14 Tagen, ohne jeglichen Abzug.« Auf meine eMail-Nachfrage erhielt ich innerhalb weniger Minuten die Antwort aus der südlichen Oberpfalz – fast schon Niederbayern. Franz Xaver Kroetz lässt grüßen.

»Hallo,
ne das passt schon Zahlung ist da EDV fehler.
Klar, verstanden. Natürlich.«

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